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Fortsetzung!

Hola queridos amigas y amigos,

ich weiß, ihr wartet eigentlich auf Fotos, aber es tut mir Leid, mir ist es nicht gelungen, das Programm zur Minimierung herunter zu laden. Es gibt hier einen, der sich auskennt, den frage ich mal in der kommenden Woche. Bis dahin schreibe ich mal weiter, die muchachas und muchachos spielen gerade Fußball oder sehen fern - nach einem sehr schönen langen Wochenende in Santander de Quilichao, einem ruhigen Dorf, das ca. eine Stunde von Cali entfernt ist. Dort gibt es auch ein Centro de Capacitación (Ausbildungszentrum) von Don Bosco. Ich unterrichte da immer am Dienstag vormittag Englisch und nachmittags Musik (vornehmlich Gitarrenunterricht). Der Unterricht macht dort viel Spaß, denn sie wollen etwas lernen und geben sich Mühe. Und wir haben viel zu lachen!

Aber jetzt war ich von Freitag morgen bis Sonntag abend mit "meinen" muchachas und muchachos, die hier in Cali im Internat leben, dort. Wir mussten Gartenarbeit machen, denn (fast) tropische Gärten wuchern eben schnell. Nach dem üblichen Gemaule der Jugendlichen (wie in Deutschland...) haben aber alle mehr oder weniger mitgemacht, ich natürlich auch. In der üblichen kolumbianischen Geschwindigkeit, bloss nicht zu schnell bewegen und alle ein bis zwei Stunden eine lange Pause mit Getränken und Snacks! Ich habe mich schon daran gewöhnt...(für manche von euch kaum vorstellbar!) - ich hoffe, das verlängert mein Leben! Ein Jahr ohne Hektik und Termindruck! Aber man muss natürlich bedenken, dass es hier über 30 Grad heiß wird. Dann stöhnen sie alle über die Hitze, und nachts ist ihnen kalt. Wenn ich nur mit einem Bettuch bedeckt schlafe, nehmen sie warme Decken...

Nach der Arbeit am Samstag sind wir dann eineinhalb Stunden in der sengenden Mittagssonne zu einem künstlichen Fußballfeld gewandert - die lieben das hier, obwohl hier ja durchaus auch Gras wächst! Aber das pflegen sie hier nicht als Fußballfeld, entweder spielt man auf Beton oder gegen Bezahlung auf Kunstrasen. Das ist bizarr - ein Kunstrasen-Feld mitten in einer wunderschönen grünen tropischen Landschaft! Wir haben dann zwei Stunden gespielt, okay, die Mädchen durften nicht so lange, die Jungs wollten dann mal richtig spielen (es war ja auch durchaus anstrengend in der Hitze!). Und dann der Marsch zurück...Heute tun mir meine Beine doch ein wenig weh.

Abends gab es dann Salsa-Tanz für alle. Hier tanzen auch die Jungs gern! Allerdings so einen neuen Stil, ohne viele Figuren, schade. Sie haben auch nicht viel Ausdauer, nach einer Stunde hatten sie schon keine Lust mehr. Aber Spaß haben sie, ich auch!

Heute mussten wir dann alles putzen, denn morgen (Montag) kommen die Schüler, die in Santander im Internat leben. Es sind nur 12 und ein Mädchen, keine ehemaligen Soldaten, sondern Jugendliche vom Land, die eine zu lange Anreise hätten. Sie fahren am Wochenende nach Hause. Das dürfen die hier in Cali nicht, auch wenn ihre Familie gar nicht weit wohnt, sie dürfen nicht mal zu Weihnachten nach Hause, das ist zu gefährlich, immerhin sind sie von der Guerilla desertiert - und wenn diese sie zu fassen bekommen, werden sie, nachdem was ich so höre und lese, erschossen... 

Nach dem Putzen  - das machen komischerweise alle ohne Murren, sie putzen hier viel, haben auch immer sehr saubere Sachen an, die Kolumbianer legen allgemein viel Wert auf Körperpflege und ihr Äußeres, auch die Männer - sind wir dann zu einem Fluss gewandert, das war nicht ganz so weit, aber heiß. Eine halbe Stunde baden - wunderbar!!!! Dann sind wir wieder zurückmarschiert und nach Cali gefahren. Für mich war das Wochenende ein großer Gewinn, denn ich habe einen noch besseren Bezug zu den Jugendlichen bekommen, zu den Mädchen, da ich mit ihnen in einem Schlafsaal übernachtet habe, und zu vielen Jungs. Die Stimmung allgemein und meine insbesondere ist sehr gut! Bis auf die üblichen Dramen. Das sind keine Traumata-Geschichten (so weit ich das beurteilen kann), sondern z.B. gestern weinte eine Jugendliche ganz bitterlich, weil sie Stress mit ihrem Freund hat. Also - die alltäglichen Probleme wie bei uns! 

So weit für heute.

Muchos  saludos  un abrazo de Angela

3 Kommentare 7.10.13 03:32, kommentieren

kann man da neidisch werden?

oje, der Eintrag ist  nicht ganz übermittelt worden. Diese Internet-Probleme hier...Sehr schade! Ich versuche mal eine Rekonstruktion. Wenn es doch schon angekommen sein sollte, soryy, aber ich finde nur ein Rudiment.

Hola queridos amigos,

einige von euch scheinen mich ja zu beneiden (ich kann das verstehen, ich würde das auch tun!), den Kommentaren und mails nach zu beurteilen. Aber es gibt hier auch Vieles, was uns Europäern viel Gelassenheit abverlangt. Die staatlichen Schulen hatten diese Woche alle geschlossen, da die Lehrer auf eine Fortbildung mussten, die sich mit der Erziehung von Jugendlichen befasst, damit das Land sicherer wird und mhr Touristen kommen (vielleicht sollten sie auch mal etwas an den militärischen und Drogen-Problemen arbeiten...). Deshalb haben hier die Jugendlichen vormittags nichts zu tun. Ich bin also mal wieder Wolle einkaufen gegangen, da sie angefangen haben, Taschen zu häkeln, einige konnten es schon, anderen habe ich es gezeigt (wozu doch so manche Kenntnisse aus der Kindheit taugen - genauso das Blockflöte spielen!). Ich bin dann in einen gigantischen Gewitter-Wolkenbruch geraten und pitschnass geworden. Eigentlich kein Problem, denn hier ist es ja warm. Aber als im Centro (wo ich arbeite) ankam, gab es kein Wasser aus der Leitung. Schlammige Füße...übrigens bis zum nächsten Mittag nicht. Das heißt, keine Dusche usw. Und der Unterricht ist deshalb natürlich ausgefallen. Und am Nachmittag gab es ein Fußballspiel Kolumbien-Chile, da arbeitet hier in Kolumbien dann keiner mehr, auch der Unterricht war dann um drei zu Ende. Okay, dann bin ich dann mal mit Freunden zum public viewing gegangen. Dagegen ist jedes public viewing in Köln zum Einschlafen! Ein Geschrei und Gekreische und eine Party - unglaublich. Gut, dass ich Lärm gewohnt bin!

Dienstags fahre ich immer in eine kleine Stadt, die eine Stunde entfernt ist (hab ich ja schon mal geschrieben), wo ich vormittags Englisch und nachmittags Gitarre unterrichte. Allerdings habe ich die Gitarren immer vergeblich mitgenommen, denn ihnen fiel dann ein, dass sie doch anderen Unterricht hätten. Ich habe dann extra für die kommende Woche gefragt, ja da sei alles ganz normal, da wäre auch Zeit für Gitarrenunterricht. Heute morgen bin ich dann wieder um viertel vor sechs aufgestanden, um mit dem Pick up mitzufahren, dann eröffnete man mir um halb sieben, dass heute in Santander kein Unterricht stattfindet, die hätten alle eine Versammlung. Gut, also frei. Mittlerweile wundert es mich hier gar nicht, dass die Schüler so schlecht ausgebildet sind...

Letzte Woche Donnerstag war ich mit 40 Kindern der Grundschule und fünf (!) Erziehern im Kino. Der Film fing aber erst eine Stunde später an, sie hatten vergessen sich zu erkundigen. Also hätte ich auch noch eine Stunde Englisch unterrichten können. Aber das fiel dann aus. Und die Stunde mit dem Haufen wildgewordener Kinder war furchtbar. Leider gab es in dem Gebäude, in dem das Kino ist, einen Spielsalon für Kinder. Und wir hatten alle Hände voll zu tun, die Kinder von den Geräten wegzuzerren oder zu verhindern, dass sie sich mit Spielbällen bewarfen oder prügelten...Das Aufsichtspersonal war auch schon ganz genervt. Für die Kinder ist es genau der Spaß, das zu tun, was sie nicht sollen. Und zwar wiederholt. Ich bin richtig wütend geworden, aber vergeblich, sie lachen hier immer nur...Da ist große Gelassenheit gefragt. Der Kinofilm selbst war genau so schrecklich, sie konnten nicht still sitzen (ich fand den Fim gut, er ist die Fortsetzung von Cars), sie schrien herum, prügelten sich, standen auf, warfen mit Sachen...da vermisse ich schon die Schüler unserer Schule!

Meine privaten Englisch-Schüler (die ich natürlich unentgeltlich unterrichte) sind total unzuverlässig, Aufgaben machen, die ich extra für sie erfunden habe, ist absolut nicht im Rahmen der Mögichkeiten, auch von Vokabeln, die man lernen sollte, haben sie noch nie etwas gehört. Sie entschuldigen sich immer höchst charmant, auf die männliche kolumbianische Art eben - sie übersehen dabei: Ich kann ja englisch, sie werden es nie lernen! Und die Aussprache ist eine Katastrophe. Naja, gut dass ich hier gelassen und enspannt bin und flexibel in allen Bereichen!

Also, überlegt es euch mit dem Neidisch werden...

Obwohl - ich bin hier seeeehr zufrieden! Hier stirbt man eben nicht an Herzinfarkt oder hat Burn-Out. Man überarbeitet sich eben nach Möglichkeit nicht!

Liebe Grüße von Angela

 

11.10.13 19:25, kommentieren