kolumbien

angelacasanueva
 

Meta





 

Archiv

Grüße aus Kolumbien!

Hallo liebe Freundinnen, Freunde, Kolleginnen, Kollegen, nette Bekannte usw.,

ich hoffe, ich schaffe es nun, mal einen Blog zu Ende zu schreiben - hier gibt es endlose Probleme mit dem Internet und ich werde immer schön nach einigen Zeilen wieder herausgeworfen...und bis ich den blog mal eingerichtet hatte...naja, Kolumbien halt. Aber der erste Blog meines Lebens.

Bis auf diese Probleme habe ich hier bisher KEINE! Die Menschen in Kolumbien sind so lustig und gastfreundlich und offen, wie ihr Ruf ihnen vorausgeht! Und das ist das Wichtigste für mich. In den vier Tagen in Bogota nach meiner Ankunft habe ich mich sehr mit einer Freundin einer lieben Bonner Freundin (die mehrere Jahre in Kolumbien gelebt hat) angefreundet und Bogota von einer sehr interessanten persönlichen Seite kennen gelernt. Es fing also schon alles hervorragend an! Jetzt bin ich seit eineinhalb Wochen in Cali, im Projekt von Don Bosco. Es ist großartig, hier zu sein, ich genieße meine Zeit hier sehr. Und was mache ich den ganzen Tag? Ich arbeite als Englisch- und Musiklehrerin (mit Grundschulkindern) und betreue die 37 Internatsschüler! Mit allem, was dazu gehört. Die Jugendlichen haben meist eine schlimme Geschichte hinter sich, die meisten waren bei der Guerilla, aber davon reden sie nicht, sie sind eigentlich wie unsere Jugendliche, dieselben absichtlich zerrissenen Jeans, die Jungs die Haare hoch gegelt, ganz ähnliche Gesten und Sprüche, alle sind aber sehr in Ordnung - also - eigentlich nichts anderes als in Königswinter! Ich wirke bereits an einem Theaterstück  mit, es gibt in Bogota einen Wettbewerb, an dem fünf Jugenliche teilnehmen. Sie haben hier einen tollen Coach, von dem ich viel lerne. Das höchst Erstaunliche ist (das ist jetzt eine Insider-Info für das Kollegium des CJD), dass er mich absolut an Stephanus erinnert! Er hat eine ganz ähnliche Mimik und Gestik, arbeitet auch ähnlich. Macht allerdings keinen Zirkus, sondern Theater und viel Tanz. Die Leute hier sind so unglaublich  nett und hilfbereit zu mir, ich habe mich shcon nach 2 Tagen zu Hause gefühlt. Berührungen sind hier total normal, alle fassen sich immer an und haben viel Körperkontakt. Da ist nichts mit Fremdeln! Sehr schön!  Ich habe ein eigenes kleines Zimmer, sogar mit Bad - allerdings nur kaltes Wasser - aber großartig, eben für mich! Das Wetter ist hier immr super, es regnet manchmal heftig, aber es ist fast immer 26-28 Grad. Ich hab hier schon Einiges erlebt, eine Internatlerin, die eine Nacht verschwunden war, einen Autounfall mit einem Toten, Straßen total überschwemmt vom Tropengewitter mit umgestürzten Bäumen, Touren mit dem Motorrad durch die Stadt (als Sozia vom Padre, der ca. 30 Jahre alt ist...), einen Nachmittag mit lustigen Spielen mit den Mitarbeitern (!) usw.. Ich spiele hier viel Fußball mit den Jungs, das ist echt anstrengend, aber ich komme noch so mit, schieße sogar Tore. Die Hautfarben sind hier seeeehr unterschiedlich, die ganz dunklen jungen Männer kann ich schlecht voneinander unterscheiden, sie sind mir doch sehr fremd. Ich würde euch ja gern Fotos schicken,, aber dann bricht mein Internet wieder zusammen und ich traue mich grad (noch) nicht. Ich fühle mich hier wie in einer Verjüngungskur, es gibt nur zwei Menschen, die hier älter sind als ich! Heute habe ich mit den Schülern Salsa getanzt mit einem Trainer, und ich war gar nicht so schlecht - naja, sagten sie mir vielleicht um mir zu schmeicheln... Außer den Internatlern sind hier viele, die vom Barrio (Viertel) von außerhalb kommen und hier Berufsschule haben oder in den Werkstätten ausgebildet werden. Abends gibt es auch Kurse für Eltern. Insgesamt werden hier 1800 Menschen ausgebildet! Das hört sich so an, als ob das hier sehr groß wäre, ist es aber nicht, es läuft halt alles im Turnus bis Abends. Allerdings nach "hora colombiana" - z.B. haben die Grundschulkinder, die um 8 Uhr kommen, bis zur eineinhalbstündigen Mittagspause um 12 nur zwei Stunden Unterricht (60 Minuten). es gibt dazwischen auch noch mal eine Pause von 30 Minuten. Aber nicht, dass hier irgendwie die Stunden pünktlich beginnen, nein, mit mindestens einer Viertelstunde Verspätung! Sie enden dann aber auch nach Belieben. Klar, die können hier nicht viel. Ein Heft oder Stifte mitbringen ist die Ausnahme. Und schreiben...das ist hier irgendwie nicht üblich. Wenn sie versuchen, englisch zu sprechen, versteht man fast nichts, da sie es einfach nicht aussprechen können - das gilt auch für alle großen Schüler hier! Und von "meinen" Jugendlichen, die zwischen 15-18 Jahre alt sind, können einige gar nicht lesen und schreiben...also, es gibt viel zu tun. Vor allem mit den Internatlern, die hängen hier sonst nur vor dem Fernseher. Am Wochenende werde ich Ketten basteln für die 10 jungen Damen, für die ich hauptsächlich zuständig bin, anbieten, die Perlen und das Zubehör habe ich schon gekauft. Wenn ich allerdings nicht so gut spanisch sprechen und vor allem verstehen könnte, wäre ich hier verloren. Die reden mit mir, als ob Spanisch meine Muttersprache wäre...und meist muss man sich das Ende des Wortes dazu denken, denn den lassen sie einfach weg. Das Projekt hier ist sehr gut ausgestattet, es bietet den Jugendlichen, die sonst keine Zukunft hätten und teilweise auf der Straße leben würden, ein strukturiertes Leben mit einer Ausbildung! Es begeistert mich sehr, was hier für eine tolle Arbeit geleistet wird. Auch für das ganze Viertel, und das ist kein Slum mit Hütten aus Pappe, aber ein sehr armes Viertel, wo man Nachts auch nicht allein herumlaufen sollte. Alles in Allem - meine Entscheidung, nach Kolumbien in das Projekt von Don Bosco zu gehen, war genau richtig für mich! Ich fühle mich jung, frisch, ich habe viel Spaß, meine Arbeit erscheint mir sinnvoll und die Menschen sind klasse! Also mir geht es sehr gut und ich langweile mich nicht!

So, jetzt hoffe ich, dass das alles mal so klappt mit dem Blog und ihr ein wenig Einblick bekommen habt! Wem das reicht - ihr müsst es ja nicht mehr anklicken...

Saludos y abrazos de Angela

7 Kommentare 19.9.13 03:30, kommentieren

Ein normaler Arbeitstag

Ihr Lieben,

vielen Dank für eure lieben Rückmeldungen! Damit aber mal keine falschen Vorstellungen aufkommen und es nicht so aussieht, als ob ich hier mein Leben nur genieße berichte ich euch mal den Ablauf eines (bisher) normalen Tages - z.B. heute:

Um halb drei bin ich aufgestanden, um eine meiner Internas zum Arzt zu bringen. Unterwegs fragte ich sie, ob denn der Arzt so früh schon Sprechstunde habe. Darauf antwortete sie, nein, der sei erst um 6 Uhr da, man müsse aber so lange Schlange stehen. Als wir dann nach 20 Minuten Fußweg angekommen waren, saß da tatsächlich schon eine Gruppe von 10 Leuten. Es stellte sich nach der Befragung heraus, dass der Arzt wohl erst um sieben käme oder vielleicht später. Ich habe aber um 8.15 Uhr (naja, eher 8.30 Uhr) Unterricht. Da es sich um eine kolumbianische Zeitangabe handelt, könnte der Arzt also erst spät kommen und dem Arbeitstempo hier nach ist zu vermuten, dass es dann noch lange dauert...also wollte ich nicht mir ihr stundenlang warten, sondern zurück gehen, aber es lässt mich hier keiner allein gehen und schon gar nicht nachts, also nahm ich dann schließlich ein Taxi und legte mich für eineinhalb Stunden wieder ins Bett.

Um 6 Uhr muss ich die Internas (die 10 jungen Frauen zwischen 15-18) wecken, um halb sieben gibt es Frühstück. Um halb acht Morgenansprache für diejeinigen, die von außerhalb zur Berufsschule kommen. Um 8 soll der Unterricht beginnen, ich bringe die Internas, auch die Jungs, zur Schule, die ca. 5 Miunten entfernt ist. Ein Drittel von ihnen ist erst nach 8 da, aber das ist hier kein Problem.

Um 8.15 soll mein Unterricht in der Grundschule in Musik beginnen. Der beginnt aber immer erst um 8.30 Uhr, da die 20 Kinder noch nicht alle da sind oder das Morgengebet für sie später anfängt.  Dann wollte ich Gitarren holen ( es gibt hier 10 mehr oder weniger gute), aber der Raum war abgeschlossen und keiner hatte einen Schlüssel. Schließlich fand sich doch jemand. Dann wollte ich die Gitarren stimmen und mal hören, was die Kinder so können, immerhin hatten sie ein Jahr bei einer Deutschen 20jährigen Gitarrenunterricht. Aber vor dem Fenster schnitt jemand mit einem Gerät, dass sich ähnlich anhört wie ein Laubbläser, den Rasen, so ca. für 10 Minuten. Im Raum entstand ein ähnlich lauter Lärm...als die Gitarren dann endlich bereit waren, stellte sich heraus , dass sie gar nichts können. Also von vorn. Aber sie verstehen auch nicht, was sie tun sollen und die Hälfte von ihnen ist ganz und gar nicht interessiert- wie schon am Tag zuvor im Englischunterricht, obwohl sie ein Jahr Englisch hatten, gut, nur eine Stunde die Woche. Ich habe es im Englischunterricht schon mit Handpuppen versucht und mit Sprachspielen - es ist hoffnungslos, das werden sie alles nicht lernen...Man versteht gar nicht, was sie sagen wollen, die Aussprache ist eine Katastrophe. Nach den verbleibenden 20 Minuten Kampf gab es dann eine Pause von 40 Minuten, wo es hier immer zu essen und zu trinken gibt.

Ich bin dann um 11 Uhr in das Gelände der Weltmeisterschaft (von diesem Jahr) mit dem bestellten Taxi gefahren (wie gesagt, sie lassen mich nicht allein gehen), dort gibt es gerade eine Fiesta mit Tanz und Kunsthandwerkverkauf. Dort habe ich mich mit dem Koch-Lehrer getroffen und traf dort auch die sehr nette 23jährige Englischlehrerin der Berufsschule (die ausnahmsweise eine passable englische Aussprache hat), sie hat dann mal zwei Unterrichtsstunden ausfallen lassen, da das Fest ja nur einmal im Jahr ist...Es gab dort sehr leckeres Essen und frisch gepressten Fruchtsaft - ein Genuss nach 8 Tagen trockenem Reis zum Frühstück, Mittag und Abendessen, fettige Pommes, Linsen oder Bohnen und Ei und zähem trockenem Fleisch (was ich nicht esse). Aber auch Hai schmeckt gar nicht so gut, das weiß ich seit heute.

Um 14 Uhr bin ich wieder zurück gefahren und kam genau nach der Mittagspause an, die von 12- 14 Uhr dauert, meist länger...und mein Unterricht mit den Kindern vom Nachmittag (quasi OGS) begann um halb drei. Da die Gruppe sehr schwierig und heterogen ist, habe ich die Gitarren erst gar nicht geholt, sondern mit Rhythmus-Klatschen angefangen. Nach einer Viertelstunde unrhythmischem Kampf hatte ich fast keine Stimme mehr und zwei Kinder vor die Tür (die immer offen ist und in den Hof führt) gesetzt. Aber dann klappte es so mas o menos.

Um halb vier gibt es hier immer eine Pause von 40 Minuten mit Essen und Trinken. Dann weiter Unterricht bis halb fünf. Aber heute gab es (wie übrigens schon die ganze Woche der "Semana de Salud" eine Tanzvorführung. Manchmal gibt es auch Salsa für alle. Dann lässt man natürlich allen Unterricht ausfallen. Das dauert dann bis fünf.

 Um 6 Uhr gibt es dann Abendessen für die Internas, von 7-8 Uhr sollen sie in einem Raum ihre Aufgaben machen, sie quatschen aber nur oder machen Blödsinn, das stört hier aber nur mich. Um 9 sollen sie dann ins Bett, schlafen um halb 10.

Für meine Kollegen: So viel zum Thema Unterrichtsausfall...Wenn es hier gut läuft, haben sie drei bis vier Stunden Unterricht an einem Tag. Mich wundert es überhaupt nicht, dass sie hier so wenig lernen! Aber Konzentration ist ja auch schwierig, wenn man sonst unbetreut ist, da die Eltern den ganzen Tag arbeiten. Und schreiben und lesen ist hier auch nicht selbstverständlich. Von "meinen" Internas (27 Halbstarke, 10 junge Damen) können einige gar nicht lesen und schreiben! Aber die meisten von ihnen waren auch lange Soldaten bei der Guerilla - meistens wegen Problemen zu Hause.

Also, die Kinder und Jugendlichen werden hier hervorragend betreut, sie haben sehr viele Angebote, ohne das Centro hier würden sie den ganzen Tag auf der Straße herumlungern. Sie bekommen Essen, sie lernen Theater, Selbstbewusstsein, es gibt Psychologen und Ärzte hier, Berufsschule, es gibt immerhin Unterricht (so mas o menos) usw. Ich habe jeden Tag eine Menge Spaß mit den lebenslustigen Kolumbianern und auch Stress in meinem Unterricht - aber ich muss eben lernen, dass es hier nicht darum geht, dass sie viel lernen!

Das war dann doch mal wieder ausführlicher als geplant! Aber ich glaube kaum, dass ich weiter so viel schreibe, so interessant ist es ja für euch auch nicht.

 Ganz liebe Grüße von Angela

 

5 Kommentare 21.9.13 02:44, kommentieren