kolumbien

angelacasanueva
 

Meta





 

mal wieder ein Lebenszeichen!

Hallo ihr Lieben,

jetzt habe ich so lange nicht geschrieben, weil ich auch nicht mehr wusste, was ich schreiben soll. Es ist nach wie vor wunderbar, hier zu sein und ich geniesse meine Zeit. Deshalb habe ich auch verlaengert und werde erst Anfang Juli wiederkommen. Im April werde ich in Ecuador sein und meine Freundin Ursel und meinen Ex-Kollegen Stephanus besuchen und mit zwei Kolleginnen und ihren Maennern reisen. Alles hervorragende Aussichten!

Hier im Centro Don Bosco gibt es immer viel Bewegung, die Internats-Jugendlichen wechseln (da sie ja gehen muessen, wenn sie 18 sind), die Koordinatoren wechseln, die Erzieher wechseln. Es gibt jetzt zwei, die echt klasse sind. Immer gute Laune, gute Ideen, guter Umgang mit den Jugendlichen. Die vorher waren auch nett und gut, aber der eine hatte keine Lust mehr, er gibt jetzt Sportunterricht und ist viel besser drauf. Der andere Ehemalige ist auch supernett, er ist auch oefter mal hier. Es laeuft hier alles sehr gut, mein Unterricht ist schon seit langem deutlich besser geworden, ich brauchte eben eine Weile, um mich auf diese soch sehr anderen Schueler einzustellen. Also bin ich gut zufrieden. Ich naehe an den Tagen, an denen ich kein Unterricht habe, staendig die Hosen und Shirts fuer die internen Jugendlichen enger und aendere ihre Klamotten. Mittlerweile bin ich Profi im Aenderungsschneiderei-Betrieb. Also, wenn mich meine Schule nicht mehr einstellen will, kann ich mich ueber Wasser halten...

Ich hab nach wie vor sehr viel Spass mit den Jugendlichen und mit meinen Freunden und kann mir im Moment das stressige Leben in Deutschland nicht vorstellen. Gleich werde ich mit ihnen einen Tanz-Abend veranstalten, das lieben sie hier! Auch und vor allem die Jungs, die tanzen fuer ihr Leben gern. Das moechte ich in Deutschland auch haben! ich habe Erfrischungsgetraenke und Popcorn gekauft und dann machen wir bis 12 Uhr nachts Party. Ich bin immer wieder erstaunt, wie froehlich hier alle sind, obwohl sie ja nun wirklich schreckliche Dinge erlebt haben. Sie haben selbst Menschen getoetet (waas ihnen sehr nah geht, ich hab schon die collsten Jungs dafuer weinen sehen, als sie mir etwas erzaehlt haben), sie haben Tote gesehen, unter anderem Freunde von ihnen, ihre Verwandten sind irgendwo und sie koennen sie nicht besuchen, sie sind missbraucht worden als Sexpartner der Guerillafuehrer, sie mussten Wunden anderen Guerilleros zunaehen...Erfahrungen, die ich keinem wuensche. Und trotdem immer diese unbeugssame Lust am Leben! Beeindruckend. Da koennen wir in Deutschland viel lernen, da wir ja Meister des Jammerns sind!

 

Liebe Gruesse von Angela

 

1 Kommentar 16.3.14 02:05, kommentieren

Die Arbeit in Don Bosco

Hallo ihr Lieben,

jetzt schreibe ich mal wieder etwas ueber meine eigentliche Arbeit (naja, so kann man das nicht nennen, es macht ja alles Spass! Aber das ist ja mit meiner Arbeit in Deutschland auch so - bis auf die Korrekturen der Klausuren...) mit den Jugendlichen Ex-Guerilleros, mit denen ich ja deren freie Zeit verbringe:

Letzte Woche Samstag habe ich Filme gekauft und Getraenke und wir haben Popcorn gemacht und drei Stunden getanzt! Hat sehr viel Spass gemacht! Tanzen koennen sie hier alle gut und auch die Jungs machen es gut und gern. An Tanzpartnern fuer Salsa und Bachata und Reggaeton mangelt es mir hier also nicht.

Vor vier Wochen haben wir eine Chiva gemietet, das ist ein "Bus", der vorne wie ein LKW aussieht und an den Seiten und nach oben offen ist (hier ist es ja immer warm). Diese grossen Busse waren frueher die einzigen Transportmittel, jetzt gibt es andere, und die alten sehr schoen bemalten werden als Party-Busse genutzt. Da gibt es dann einen DJ, laute Musik und viel Tanz (die Sitze sind nur rundherum) und bei "normalen" Fahrten auch viel Alkohol und Stopps in den Bars. Bei uns natuerlich nicht, wir waren ja mit Jugendlichen unterwegs. Es war sehr lustig und alle hatten viel Spass in den zwei Stunden, in denen wir durch Cali gefahren sind!

Ansonsten waren wir im Schwimmbad, wobei viele nicht ins Wasser gehen, weil sie keinen Badeanzug haben...in vielen Schwimmbaedern dulden sie hier deswegen Shorts und T-Shirts.

Vormittags sind alle in der Schule, die ganz nah ist und nachmittags in den Ausbildungs-Werkstaetten hier im Centro Don Bosco. In der Zeit habe ich viel zu tun, denn ich bin in der Naehwerkstatt und aendere massenhaft Klamotten - die Mode kostet echt viel Zeit, denn alle wollen die Hosen und Shirts moeglichst eng haben (damit man die wohlgeformten Koerper sieht...) und das ist dann mein Job. Aber das hat viel von Meditation, ich naehe ja sehr gern. Um sechs gibt es Abendessen, um sieben eine Stunde Hausaufgaben-Betreuung (und mein verzweifelter Versuch, ihnen in Englisch zu helfen...), um neun gehen alle auf ihre Mehrbettzimmer und ich lese Geschichten und das Nachtgebet und um halb zehn sollen alles schlafen, da sie um sechs wieder aufstehen muessen. Dann habe ich also frei und kann meinen Unterricht vorbereiten (fuer die Grundschule) oder z.B. die Boeden fuer die Beutel haekeln, damit die Maedchen weiter daran arbeiten koennen, mails schreiben usw. Langweilig ist mir hier nicht - aber Stress habe ich auch nicht! Nur manchmal mit einigen der Jugendlichen...aber das ist ja normal, sind ja Jugendliche...

Also, damit mal keine falschen Vorstellungen aufkommen, ich tu hier schon was, aber habe keinen Stress und lerne viel von den Menschen und habe auch viel Zeit fuer meine Bekannten am Wochenende. Das Leben ist sehr lebens- und erlebenswert!

Saludos de Angela 

 

 

 

1 Kommentar 13.2.14 04:27, kommentieren